Imker und Landwirte im Dialog

Imkerverein Wurzbach mit neuer Initiative
Wie vorgesehen, beriet der Imkerverein Wurzbach und Umgebung Frankenwald e.V.

mit Geschäftsführern der Agrarbetriebe und Bürgermeistern des Territoriums zu Möglichkeiten der Zusammenarbeit für die Verbesserung des Lebensraumes bestäubender Insekten. Vorsitzender des Wurzbacher Imkervereins- Günter Vorsatz -konnte dazu 9 Geschäftsführer bzw. Führungskräfte der Agrargenossenschaften Remptendorf, Friesau, Gahma, AF Knau e.G, LEG Röppisch, Frankenwald e.G. Lehesten, Agrarbetrieb Mezner aus Burglemnitz , Siegfried Stenzel vom Kreisbauernverband und Bürgermeister Thomas Franke sowie 7 Imker des Vereins begrüßen.
Günter Vorsatz verdeutlichte in Wort und Bild, dass es zur Unterstützung des Lebensraumes von Insekten- insbesondere der Honigbiene- viele Möglichkeiten gibt. Entscheidend ist, wie jeder vor Ort seine Verantwortung wahrnimmt und mit welcher Sicht er für die Natur Entscheidungen trifft.
Vor allem ist die gemeinsame Partnerschaft zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben, Kommunen, Gärtnern und den Imkern im jeweiligen Territorium hilfreich. Diese Partnerschaft verstehen wir als Anspruch gegenseitigen Vertrauens, die wir im Territorium pflegen, schützen und weiterentwickeln wollen.
Bereits in der Vergangenheit gab es dazu schon gute Beispiele. So konnte der Vorsitzende der
Agrargenossenschaft Lemnitztal e.G. Oberlemnitz, Frank Wolfram und Andre Telle, Geschäftsführer der Agrar e.G. Heberndorf für ihr Engagement als „Thüringer Bienenfreunde 2015“ ausgezeichnet werden.
Auch die Imker waren sich einig, dass die fallenden Preise von Agrarprodukten, sich widersprechende Strategien in der Energiegewinnung (Windräder kontra Biogasanlagen) und der Konkurrenzkampf die Produktion in der Landwirtschaft nicht leichter werden lassen. Die Umsetzung des transatlantischen Freihandelsabkommens (TTIP) mit den USA wird die Situation nicht vereinfachen.
Das gemeinsame umsichtige Vorgehen zwischen Imkern und besonders der Landwirtschaft im Territorium wird helfen, das Bienensterben zu verhindern und weitere erfolgreiche Wege zu beschreiten.
Imker Gerhard Rohm verdeutlichte nochmals vor allem die Bestäubungsleistung der Bienen.
Etwa 30% aller Pflanzen werden von Honigbienen bestäubt. Bienen steigern die Erträge bei Obst z.B. um 80%. Kaum ein anderes Insekt ist so vollkommen für die Bestäubung entwickelt, wie die Honigbiene. Sie überleben den Winter als Volk und sind damit im Frühjahr bereits massenhaft tätig, Bienen sind blütenständig, zeigen Intelligenzleistungen (speichern z.B. Zeitdaten und übermitteln im Volk Nektarquellen) und sie sind Biofilter der Umwelt.
Die Teilnehmer waren sich einig, dass eine gegenseitige Konfrontation wenig hilft, die vorhandenen Probleme erfolgreich zu lösen. Das Ziel der Beratung bestand deshalb darin, wie
künftig die Verantwortlichen als Partner an die Verwirklichung des Machbaren herangehen, um Blühpflanzen und Bienen erfolgreich entwickeln zu lassen. Entscheidend wird sein, wie jeder vor Ort die Gesetze und Verordnungen praktikabel einhält, mit welcher Sicht er Entscheidungen für die Erhaltung der Natur trifft wie z. B. den Verzicht auf Einsatz von Giften.
Es wird Einstein zugeschrieben, der den Gedanken äußerte: „Sterben die Insekten/Bienen, folgt ihnen in wenigen Jahren der Mensch“.
Dabei ist der Zusammenhang einfach: Weniger Blühpflanzen (auch Unkräuter, wie z.B. die Kornblume) auf dem Acker und in der Natur = weniger Insekten. Weniger Insekten = weniger
Bestäubungsleistung, weniger Bestäubungsleistung = weniger Ertrag, weniger Singvögel usw.
Die Teilnehmer unterstützen den Standpunkt, dass gemeinsames und umsichtiges Verhalten der Menschen helfen wird, Bienensterben zu vermindern.
Der Imkerverein Wurzbach und Umgebung Frankenwald e.V. hat in Fortführung seiner Tätigkeit auf diesem Gebiet die erarbeitete Handmappe anlässlich des „Tages der Landwirtschaft im Saal-Orla- Kreis“ 2014 in Friesau aktualisiert und zu einem Grundlagenmaterial für das gemeinsame Handeln von Imkern, Landwirtschaftlichen Betrieben, dem Landhandel, Gärtnereien, Kommunen und der Klein- bzw. Balkongärtner ausgebaut. Schwerpunkte bilden:
- Pflege kontinuierlicher Kontakte zwischen Landwirtschaftlichen Betrieben und Imkern im Territorium
- Insektenfreundliche Gestaltungsmöglichkeiten der Arbeiten auf Feldern und Wiesen
- Das Anlegen und Gestalten geeigneter Flächen, Rainen und Schutzstreifen, Obstplantagen und Streuobstwiesen
- Hinweise, wann Bienen vor allem aktiv sind und in dieser Zeit Schutz bedürfen
- Spezielle Hinweise für Bienenschutz in Rapskulturen
- Möglichkeiten zur Verbesserung des Pollenangebotes für Bienen und andere Insekten
- Übersicht zu wichtigen einheimischen Pollen- und Nektarspendern

Alle Teilnehmer erhielten eine solche Mappe. Der Inhalt ist aber auch online über
www.bienenfreunde-wurzbach.de einsicht- und abrufbar.
In der anspruchsvoll geführten Diskussion wurde u.a. angeregt, den Landwirtschaftlichen Betrieben eine Übersicht zu erstellen, welche Imker im jeweiligen Territorium ihre Bienenstände haben und wie sie telefonisch erreichbar sind.
Vor allem der Standpunkt zu gemeinsamer und abgestimmter Handhabung der Verantwortung fand Zuspruch.
Nicht zu allen Themen konnte schon ein Konsens gefunden werden. So gab es u.a. zum Vorhaben weniger monotone Grün- und Ackerflächen (Monokulturen) zu gestalten und dafür artenreiche Kulturen anzubauen, unterschiedliche Meinungen. Auch die Anwendung von verschiedenen Pflanzen- und Insektengiften bedarf der weiteren Klärung. Hierzu erwarten Imker und Landwirte auch weiterhin zuverlässige Informationen bzw. Lösungen der Wissenschaft und der Politik.
Siegfried Stenzel vom Kreisbauernverband unterstütze die Initiativen mit dem Wunsch, dass solche Veranstaltungen in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden sollten. Vor allem ist die Sicht erfolgreichen und gemeinsamen Handelns zu begleiten; denn es lohnt sich, die Bienen zu schützen.
Die Aussage, dass Imker im Territorium die größten Arbeitgeber sind, bei denen sogar die Frauenquote stimmt, löste zum Schluss nochmals Lachen aus. Immerhin beschäftigt ein Imker mit einem Bienenvolk ca. 40.000 Arbeiterinnen!

Bild: G.Rohm
Text: Günter Vorsatz (im Präsidium 3.v.r.) bei seinen Ausführungen

Handmappe Grundlagen zum gemeinsamen Handeln von Imkern, Geschäftsführer Landwirtschaftlicher Betriebe und der Kommunen im Territorium